Tipps zum Workflow

oder wie man in drei minuten zum Profi wird...


Ich im Eibsandsteingebirge

Hallo, liebe Fototour-Begleiter,

ich hoffe, ihr seid alle gut wieder in eurer Heimat angekommen und habt nicht alles vergessen was ihr so gelernt habt.

Eigentlich gab es nicht viel zu merken - Fotografieren ist ja relativ einfach. Ich sagte ja schon, was man hinten im Sucher sieht, ist später auf dem Bild drauf. Man muss nur richtig hingucken. Das lernt man, wenn man viel fotografiert und wenn man sich häufig die Internetseiten anderer Fotografen anschaut. Viel kann man aber auch bei den Malern lernen - also geht in Galerien und schaut euch schöne Ausstellungen an (und geht danach gut essen... ;-)

So, hier noch einmal eine kurze Zusammenfassung, wie ich selbst fotografiere und im Anschluss die Daten bearbeite.

- Wetterbericht anschauen und raus in die Landschaft.

- Richtige Schuhe anziehen und auch warme Jacke mitnehmen. Landschaftsfotografie ist häufig mit "warten auf den richtigen Augenblick" 

  verbunden. Es kann also auch kalt werden oder regnen...

- Stativ nicht vergessen, falls es zu dunkel ist. Außerdem ist es sicherer, damit die Bilder nicht verwackeln.

- Daran denken: die Blende sollte relativ klein sein bei der Landschaftsfotografie - wir möchten am Ende ein scharfes Bild haben!

  ABER: NIE die kleinste Blende am Objektiv verwenden. Es treten Beugungsunschärfen an den Blendenlamellen auf und das Foto ist nicht mehr 

  wirklich scharf.

- Bei längerer Belichtungszeit (welche durch die kleine Blende bedingt ist) einen Fernauslöser oder die Auslöseverzögerung des Zeitauslösers der

  Kamera benutzen, sonst verwackelt man die Aufnahme auch. Hände weg vom Stativ im Anschluss!

  Habe ich auch schon häufig gesehen.... die Workshop-Teilnehmer nutzen den Fernauslöser halten aber das Stativ fest... ganz schlechte Idee....

  Bei Nutzung des Stativs auch den Bildstabilisator am Objektiv ausschalten!!!

- ISO-Zahl in der Regel immer auf 100 ISO (nur bei Ausnahmen nicht, z.B. wenn ich die Milchstraße fotografieren möchte, dann auch mal

  1500 ISO oder mehr)

  Weniger geht auch, also z.B. 40 ISO oder weniger (geht nicht bei jeder Kamera) Dann kann ich mir nämlich manchmal den Graufilter sparen bei

  Langzeitbelichtungen - gerade in der Dämmerung.

- Bei der Motivsuche draußen: das Bild in Gedanken "aufräumen" und gestalterische Ordnung schaffen. Man kann oder sollte nicht alles

  fotografieren, auch wenn's vielleicht schön aussieht. Sucht außergewöhnliche Positionen mit der Kamera für eure Fotos!

  Der Kunstlehrer damals hatte Recht in der Schule, als er uns etwas von Vordergrund, Mittelgrund und Hintergrund erzählt hat!

  Hauptelemente im Bild (Bäume, große Steine, Häuser, Personen im Bild, die Horizontlinie...) kann man entweder in den Goldenen Schnitt oder  

  genau in die Mitte setzen.

  Der Goldene Schnitt bringt Spannung - die Mitte bringt Ruhe!

  Daran denken: es gibt eine Mitte in der Horizontale und eine in der Vertikalen. Für den Goldenen Schnitt gilt das ebenso.

  Wer schlauer sein möchte, als die Anderen: https://de.wikipedia.org/wiki/Goldener_Schnitt

  Das ist tatsächlich wichtig!!! Also nicht nur fotografieren sondern auch lesen!

- Wenn das dann alles stimmt: Knöpfchen drücken - geschafft! Foto in der Kiste!

- Speicherkarte ins Lesegerät, los geht's mit der Bildbearbeitung...

- So, und jetzt kommt die alles entscheidende Frage: Lightroom oder Photoshop?

  Egal - jeder, wie er möchte. Der Workflow ist ähnlich und die Menüs sehen auch ähnlich aus.

  Ich selbst nutze lieber Photoshop, weil im nachhinein mehr möglich ist bei der Bearbeitung...

- jetzt einfach Doppelklick auf das ausgewählte Bild, wow alles dunkel im RAW-Modul von Photoshop.

 

Der Typ beim Workshop hatte gesagt: "Immer etwas unterbelichten, die hellen Bereiche im Bild müssen gut durchgezeichnet sein, auch wenn die Schatten dann sehr dunkel auf dem Kameramonitor aussehen." Stimmt, er hatte Recht. Bei der Aufnahme kann man das auch über das Histogramm kontrollieren. Aber daran denken, es ist noch kein Fotograf berühmt geworden, weil er immer auf sein Histogramm geachtet hat.

Bildschirmfoto 2020-10-26 um 11.50.16.png

So sieht erst mal das geöffnete Bild aus - buh, schrecklich...

Weiter geht's.... im Menü "Grundeinstellungen" auf der rechten Seite ziehe ich den "Tiefenregler" nach rechts und den Regler für die "Lichter" nach links. Um welchen Wert? Das ist bei jedem Foto anders. Je nachdem wie das Licht war. Also muss man probieren... Oben an dem Regler für die "Belichtung" kann man auch noch etwas drehen.


Bildschirmfoto 2020-10-26 um 11.50.40.png
Jetzt stimmen die Tiefen und die Lichter, aber es sieht alles etwas flau aus. Das regeln wir mit dem Regler für die "Klarheit" und "Dunst entfernen-Regler". Dann wird's schon richtig schön! Bitte auch im Menü "Optik" die Häkchen für die chromatische Aberration und die Objektivkorrektur setzen!!!
Bildschirmfoto 2020-10-26 um 11.50.57.png

Dann geht's an das Farbmischer-Menü. Hier muss man nach eigenem Ermessen die Regler verändern. Mit der Luminanz regeln wir die Helligkeit der einzelnen Farben, mit dem Sättigungsregler bestimmen wir, wie intensiv die Farbe wird und mit dem Farbtonregler verschieben wir die Farbwerte von A nach B, also z.B. von grün zu gelb usw.
Mit dem Luminanzregler regeln wir, wie schon gesagt, ob eine Farbe etwas heller oder dunkler dargestellt wird. Also "Farbe heller" z.B. bei "gelb" sieht aus, wie etwas mehr Licht. Man kann so scheinbar etwas die Menge des Sonnen-Lichtes simulieren. Das Blau des Himmels können wir z.B. mit dem Luminanzregler dunkler stellen und dann die Sättigung etwas zurückdrehen. Der Himmel sieht dann zwar dunkler aus, aber nicht so kitschig blau. Das bringt etwas Dramatik ins Foto.
Daraus folgt: Probieren, probieren, probieren...
Bildschirmfoto 2020-10-26 um 11.59.01.png
Nun sind wir schon recht weit gekommen und drücken unten rechts auf den Knopf "Objekt öffnen". Drücken wir auf "Fertig", wird der RAW-Konverter geschlossen und die Bearbeitung gespeichert. Bei erneutem Öffnen der Datei fangen wir dann gleich mit dem letzten Stand der Bearbeitung an und können weiter bearbeiten. Die gespeicherten Bearbeitungsschritte legt Photoshop in der externen XMP-Datei ab, die ihr noch findet, wenn ihr euren Ordner durchsucht. Also die nicht löschen, falls ihr mal den Fertig-Knopf gedrückt habt.
Jetzt befinden wir uns in der eigentlichen Arbeitsfläche von Photoshop und nicht mehr im RAW-Konverter. Wenn sich das Bild dafür eignet, nutze ich erst mal den Gag mit der Vignette. Ich ziehe mir mit dem kreisförmigen Auswahl-Werkzeug eine ovale Auswahl mitten ins Bild.
Die kann flach, dick oder kreisförmig sein und muss auch nicht in der Mitte des Fotos liegen. Alles hängt hier vom jeweiligen Motiv ab.
Ist das "Ei" richtig platziert, gehe ich ins Menü "Auswahl" oben und rutsche dann mit der Maus runter auf "Auswahl umkehren". (...für die Schnellen: Command-Shift-I)
Danach muss die Auswahl noch "weich gemacht" werden. Also im "Auswahl" - Menü runterscrollen bis zu "Auswahl verändern" und dann auf "Weiche Kante" klicken. Dort relativ viel Pixel eintragen - so um die 400 Pixel.
Bildschirmfoto 2020-10-26 um 12.00.27.png
Damit ihr das mit der Auswahl richtig versteht, klickt mal in der länglichen vertikalen Werkzeugpalette ganz unten auf das "Maskensymbol"...
siehe Bild unten
Bildschirmfoto 2020-10-26 um 12.17.42.png
Jetzt erscheint anstelle dieser gestrichelten Linie die eigentliche Maskierung, die durch die Auswahl erzeugt wird. Das bedeutet, das, was da rot erscheint wird nicht bearbeitet und das, was durchsichtig ist, wird bearbeitet. Und jetzt kommt's: In der roten Maskierung kann ich malen und die Form der Maskierung verändern. Hier im konkreten Fall habe ich nämlich das Problem, dass nicht nur oben der Himmel und vorn der Vordergrund etwas dunkler werden, sondern auch die Bäume links und rechts auf den Bergen oben. Das sieht, wenn man es etwas übertreibt, im Anschluss etwas merkwürdig aus.
Also kann man auf der Tastatur einfach mal auf "B" drücken und hat das Pinselwerkzeug (B für Brush - in der Palette ist es der Pinsel).
Jetzt male ich mit ganz geringer Deckkraft (ganz oben in der Statusleiste etwa 10 % einstellen) über die Berggipfel rechts und links. Das wird dann sozusagen später auch nicht abgedunkelt weil es ja maskiert ist.
siehe Bild unten
Bildschirmfoto 2020-10-26 um 12.18.47.png
Wenn ich jetzt wieder auf das Knöpfchen ganz unten in der Werkzeugpalette klicke, wird mir nicht mehr  die rote Maskierung angezeigt, sondern wieder die gestrichelte Auswahllinie. Ihr seht jetzt auch, wie die sich nach unserer "Malerei" verändert hat.
siehe Bild unten...
Bildschirmfoto 2020-10-26 um 12.18.59.png
Jetzt klickt ihr auf Command-M (Apple) oder Alt-M (Windows). Damit öffnet sich das Werkzeug für die Gradationskurve. An dieser Kurve zieht ihr, bis der Tonwert stimmt. OK drücken - alles gut :-)
Das Werkzeug erreicht man auch über das Menü oben. (Bild - Korrekturen - Gradationskurven)
siehe Bild unten
Bildschirmfoto 2020-10-26 um 12.01.13.png
Und wenn ihr einmal bei diesem Menü seid - da gibt's ganz viel zu sehen, was noch für die Bildbearbeitung sehr interessant ist, z.B. wie ich ein Farbfoto in ein Schwarz-Weiß-Foto umrechnen kann und vieles andere mehr.
Auch hier gilt:
Probieren, probieren, probieren...
Die nächsten Jahre werdet ihr nicht mehr zum Arbeiten kommen - Photoshop wird eurem Leben einen neuen Sinn verleihen... ;-)
Bildschirmfoto 2020-10-26 um 16.25.04 Kopie.jpg
Ganz zum Schluss könnt ihr noch darüber nachdenken, ob ihr mit dem Abwedler-Werkzeug etwas die Helligkeitswerte verändern möchtet.
Im Bild oben seht ihr, wo das Werkzeug zu finden ist. Daran denken: die Prozentwert ganz niedrig einstellen - 5% sind ok!
Dann noch die Größe des Werkzeuges links oben oder mit der rechten Maustaste einstellen und die Härte auf 0%!
Tiefen - Mitteltöne - Lichter einstellen nicht vergessen.... auch oben in der Statusleiste einstellen.
Dann langsam über die Bereiche mit dem Werkzeug wischen, bis der gewünschte Helligkeitswert erreicht ist.
Was auch noch gerne genutzt wird, ist die Funktion "Farbe ersetzen". Die findet ihr im Menü "Bild" - "Korrekturen" - "Farbe ersetzen"
Sie Bild unten...
Farbtonveränderung 1

Wenn ihr da drauf klickt, erscheint das Fenster (Bild unten). Dort geht ihr mit der Pipette (also dem Cursor) auf den entsprechenden Tonwert, den ihr ändern möchtet. Nutzt den Toleranzregler im Fenster um zu beeinflussen, welchen Farbbereich ihr wie stark korrigieren möchtet. Man kann den jeweiligen Zustand in dem kleinen Schwarz-Weiß-Fenster verfolgen. Unten an den drei Reglern könnt ihr dann ziehen und die Helligkeit, die Sättigung und den Farbton verändern. Ist man zufrieden, bestätigt man mit "OK".

Farbtonveränderung 2
So, alles in allem ist das total einfach und geht rutz putz. Aufschreiben ist viel schlimmer ;-)
Ich hoffe, das war einigermaßen verständlich und ich habe wenig Schreibfehler im Text.
Wer jetzt noch Fragen hat, ruft mich einfach an, schreibt mir oder klingelt unten bei mir an der Haustür - ich lasse jeden rein wenn ich da bin - es gibt dann Tee, später Wein!
Seid alle herzlich gegrüßt und bleibt gesund.
Vielleicht sehen wir uns ja mal auf dem Färöer-Inseln oder in Schottland - es würde mich freuen!
Isle of Skye - Schottland
Isle of Skye - Schottland
Gasadalur - Färöer
Gasadalur - Färöer